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„Er kennt alle meine WhatsApp-Nach­richten und ich musste ihm alle meine Passwörter verraten, um ihm mein Vertrauen zu beweisen.“
„Ich habe das Gefühl, dass mein Mann etwas auf meinem Smartphone installiert hat. Er weiß immer, wo ich gerade bin. Ich kann mich nicht mehr frei bewegen.“
„Mein Ex-Mann beschimpft mich ständig in langen E-Mails. Schon wenn ich meine Inbox öffne, habe ich Angst vor der nächsten Nachricht. Nachdem ich sie gelesen habe, liege ich meist die ganze Nacht wach und bin am nächsten Tag in der Arbeit total müde.“
„Eine Freundin hat mir ein Profil auf meinen Namen gezeigt, das ich nie erstellt habe. Dort stehen Sachen, die ich nie sagen würde und die für mich gefährlich sein können.“
„Mein Partner hat intime Fotos von mir an meine Familie und Freunde geschickt. Mir ist das so peinlich, dass ich mich nirgends mehr hin traue.“
 „Mein Ex-Freund droht mir damit, Nacktfotos von mir auf Facebook zu stellen, wenn ich nicht zu ihm zurückkomme. Ich hab große Angst, dass er es wirklich tut.“
„Mein Lebensgefährte hat meine Facebook-Freundes­liste kontrolliert und mich gezwungen, einen Arbeitskollegen zu löschen. Er ist sehr eifersüchtig und behauptet, ich hätte was mit diesem Kollegen.“

Cyber­gewalt in Bezie­hungen

Cybergewalt ist eine mittels Smartphone oder Internet ausgeübte Gewaltform. Sie hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Vermehrt wird diese Gewalt auch in Beziehungen und nach Trennungen / Scheidungen ausgeübt. Sie kann bei den Betroffenen starke psychische Belastungen verursachen. Es handelt sich um Cybergewalt, wenn Sie am Handy oder über das Internet:

  • beschimpft, kontrolliert, überwacht oder isoliert werden
  • gegen Ihren Willen fotografiert / abgehört / aufgenommen werden
  • in der Öffentlichkeit gedemütigt oder bloßgestellt werden
  • Bedrohungen oder Erpressung erleben
Cybergewalt in Beziehungen ist häufig eine Fortsetzung von Gewalt, die Frauen auch "offline" erleben. Meist wird sie in Verbindung mit anderen Gewaltformen wie psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt ausgeübt. Dem gewaltausübenden Partner geht es dabei meist um Macht und Kontrolle. Durch Handy und Internet wird der Raum, Druck und Angst zu machen vergrößert. Meist steht dahinter die Absicht, die Betroffene (öffentlich) zu erniedrigen, ihren Ruf zu schädigen oder sie seelisch zu quälen.

Wir bieten Ihnen psychosoziale, rechtliche und praktische Unterstützung, wenn Sie von Cybergewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner betroffen sind!

Unsere Angebote gelten selbstverständlich auch für Transfrauen und für Frauen, die in Beziehung mit einer Frau oder Transperson leben.

Wir bieten:

  • Information und Stärkung
  • gemeinsames Erstellen eines digitalen Sicherheitsplans
  • kostenlose Rechtsberatung zu Anzeigemöglichkeiten bei Cybergewalt
  • Prozessbegleitung im Strafverfahren
  • Beratung in themenspezifischen Gruppen

In der Einzelberatung kann die psychosoziale Beraterin Sie dabei unterstützen, einen Umgang mit digitalen Grenzverletzungen zu finden, und Ihnen dabei helfen, wieder mehr Kontrolle und Selbstbestimmung zu erlangen. Gemeinsam erstellen wir einen digitalen Sicherheitsplan und besprechen technische sowie rechtliche Möglichkeiten.

Informationen zu aktuellen Gruppenangeboten finden Sie unter diesem Link.

In der Rechtsberatung bekommen Sie juristischen Rat zu Fragen wie:

  • Was kann ich anzeigen?
  • Welche Beweise brauche ich dafür?
  • Was sind mögliche Ausgänge des Verfahrens?
  • Wer kann mich im Verfahren unterstützen?

Die Beratungsstelle bietet auch Prozessbegleitung im Strafverfahren an: Als Opfer von Verbrechen haben Sie (bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen) Anspruch auf kostenlose psychosoziale und juristische Begleitung im Strafverfahren. Mehr Informationen dazu gibt es unter diesem Link.

Cybergewalt wird häufig nicht ernst genommen und nicht als Gewalt erkannt. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und holen Sie sich Unterstützung!

Was Sie sofort tun können:

  • Schützen Sie sich und Ihre Privatsphäre!
    Seien Sie vorsichtig damit, welche persönlichen Informationen Sie ins Netz stellen und wer diese einsehen kann – das Internet vergisst nie! Intime oder später womöglich unangenehme Fotos sollten unter Ihrer eigenen Kontrolle stehen und an einem sicheren Speicherort aufbewahrt werden. Ihr Aufenthaltsort, private Nachrichten und Passwörter sind Ihre Privatsache, Sie müssen diese Informationen niemandem zeigen oder verraten, auch nicht Ihrem Partner.
  • Sichern und dokumentieren Sie Beweise, wenn Sie online oder am Smartphone bloßgestellt, bedroht oder beleidigt werden! Der Wunsch, digitale Grenzverletzungen schnell zu löschen, ist verständlich. Um dagegen vorgehen zu können, ist deren Dokumentation jedoch sehr wichtig! Wie Sie am besten dokumentieren, erfahren Sie in unseren Tipps & Tricks zur digitalen Sicherheit.
  • Informieren Sie sich über Ihre Rechte und holen Sie sich Unterstützung!
    Nur wenn Sie über Ihre Möglichkeiten Bescheid wissen, können Sie gut überlegte Entscheidungen treffen und für Sie passende Schritte setzen. Wenden Sie sich an eine spezialisierte Einrichtung und holen Sie sich Hilfe von Vertrauenspersonen.

Rechtliche Situation in Österreich

Gewalt ist immer Unrecht, im realen Leben ebenso wie online. Viele Gewalt ausübende Personen fühlen sich jedoch durch die Anonymität des Internets geschützt und handeln daher massiver und schamloser.

Um besser gegen Cybergewalt vorgehen zu können, wurde in Österreich 2016 eine neue gesetzliche Grundlage geschaffen. Bestimmte Formen von Cybergewalt sind seither strafbar.

§ 107c StGB "Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems"
Personen, die über einen längeren Zeitraum jemanden öffentlich an der Ehre verletzen oder ohne Zustimmung höchstpersönliche Informationen/Bilder öffentlich machen und das Opfer damit unzumutbar belasten, können mit bis zu einem Jahr Haftstrafe bestraft werden.

Delikte wie Stalking, Nötigung, gefährliche Drohung, Beleidigung oder üble Nachrede können ebenfalls angezeigt und verfolgt werden. Außerdem schützen Urheberrechte wie das "Recht am eigenen Bild" und Mediengesetze Ihre Privatsphäre.

Eine einstweilige Verfügung zum Schutz vor Eingriffen in die Privatsphäre (§ 382g EO) kann Ihnen kurzfristig gerichtlichen Schutz bieten. Mit einer richterlichen Entscheidung kann einer Person verboten werden, mit Ihnen in Kontakt zu treten, Fotos von Ihnen zu verbreiten, Sie zu verfolgen oder ähnliches.

Was in Ihrem Fall hilfreich ist und welche rechtlichen Möglichkeiten Sie haben, erklären Ihnen Juristinnen in unserer Beratungsstelle.

Holen Sie sich Hilfe und bleiben Sie nicht allein!
Die Beratungsstelle bietet einmal wöchentlich Rechtsberatung an. Diese können Sie nach einem psychosozialen Vorgespräch kostenlos in Anspruch nehmen.
Zur Terminvereinbarung erreichen Sie uns unter 01/512 38 39.

Mögliche Folgen von Cybergewalt

Das Internet ist jederzeit und überall verfügbar. Inhalte, die einmal online sind, sind nur noch schwer zu kontrollieren oder zu löschen. Dies kann bei Cybergewalt eine immense Belastung für Betroffene darstellen. Trotzdem wird Cybergewalt oft nicht ernst genommen oder erst spät als solche erkannt. Sie tritt häufig in Verbindung mit anderen Gewaltformen auf und kann schwerwiegende und langanhaltende Folgen haben.

Dazu zählen:

  • Gefühl der ständigen Bedrohung und Kontrolle
  • Ängste, Panik, Gefühle der Hilflosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Niedergeschlagenheit bis hin zu Depressionen
  • sozialer Rückzug und Rückzug aus dem Internet
  • Schuld- und Schamgefühle
  • Posttraumatische Belastungsstörungen

Cybergewalt kann Auswirkungen auf Ihre gesamte Lebenssituation haben! Beispielsweise kann die unerwünschte Weitergabe von Informationen zu Konflikten in der Familie und im sozialen Umfeld führen. Auch Ausgrenzungen am Arbeitsplatz bis hin zum Verlust der Arbeitsstelle können Folgen von Cybergewalt sein.

Cybergewalt hört selten von alleine auf und kann Ihre psychische Gesundheit und Ihr Leben stark belasten. Je früher Sie reagieren, desto rascher bekommen Sie die notwendige Unterstützung und umso besser können Gegenmaßnahmen ergriffen werden!

Tipps & Tricks zur digitalen Sicherheit

Die folgenden Tipps geben Sicherheit für die tägliche Internet-Nutzung. Was in Ihrer persönlichen Situation hilfreich und notwendig ist und was Sie in Ihrer Situation zusätzlich in Gefahr bringen könnte, muss jedoch genau abgeklärt werden. Die Beratungsstelle bietet Ihnen hierzu individuelle psychosoziale und rechtliche Unterstützung!
  • Verwenden Sie sichere Passwörter und ändern Sie diese, wenn jemand anderer Kenntnis davon erhalten hat. Sichere Passwörter sind möglichst lange Passwörter. Sie bestehen aus mindestens vier Wörtern, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben (zum Beispiel WollwesteSchreibtischladeFlugzeugpilotinBlumendünger). Sollte das soziale Netzwerk oder der Dienstanbieter kein langes Passwort zulassen, so wählen Sie als Passwort eine Kombination von mindestens acht bis zehn Buchstaben (verwenden Sie Groß- und Kleinbuchstaben), Zahlen und Sonderzeichen (zum Beispiel - + = ! ?). Weitere Tipps dazu finden Sie auf Seiten wie http://www.passwort-generator.at. Ein Passwortmanager kann dabei helfen, sich mehrere komplizierte Passwörter zu merken, zum Beispiel https://www.stickypassword.com/de oder http://keepass.info.
  • Legen Sie unterschiedliche und anonyme E-Mail-Adressen an!
    Mit diesen können Sie sich auch bei Foren und Social-Media-Plattformen anonym bzw. mit einem Fantasie-Namen anmelden. Es steht eine Vielzahl an kostenlosen E-Mail-Diensten zur Verfügung.
  • Checken Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken und Apps.
    Sie können entscheiden, welche Informationen für wen sichtbar sind! Überlegen Sie auch, was Sie auf Profilen von FreundInnen posten, deren Privatsphäre-Einstellungen für Sie nicht kontrollierbar sind. Auf http://www.saferinternet.at/privatsphaere-leitfaeden finden Sie weiterführende Tipps dazu.
  • Installieren Sie Virenprogramme, Spyware-Blocker, Firewall etc. als Schutz auf Ihrem Smartphone / PC / Laptop! Solche Dienste sind kostenlos verfügbar.
  • Deaktivieren Sie alle Ortungsdienste (GPS) auf Ihrem Handy / PC!
    GPS am Smartphone oder die Standortbestimmung in Sozialen Netzwerken und Apps kann leicht dazu benutzt werden, Sie auszuspionieren! Geben Sie Ihren Aufenthaltsort nicht öffentlich über Soziale Medien bekannt, das könnte Sie in Gefahr bringen. Achtung: Auch bei Fotos, die Sie hochladen, können GPS-Daten gespeichert sein!
  • Wenn Sie vermuten, dass auf Ihrem Smartphone Apps oder Programme installiert sind, um Sie auszuspionieren (Spyware), formatieren Sie das Gerät oder besorgen Sie sich ein neues Smartphone. Nur so können Sie sich vor weiteren Übergriffen schützen.
  • Es kann sinnvoll sein, eine Person, die Sie bedroht, bei Messenger-Diensten (zum Beispiel WhatsApp, Facebook-Messenger) zu blockieren oder zu sperren. Ebenso kann es notwendig sein, die Person bei der entsprechenden Plattform / Suchmaschine zu melden oder das Löschen von Inhalten zu erwirken.
  • Dokumentieren Sie Cybergewalt!
    Zögern Sie nicht, digitale Übergriffe zu sichern – sie können schnell wieder gelöscht sein! Drucken Sie E-Mails / Nachrichten / Posts auf Papier aus. Am besten machen Sie dafür zuerst einen Screenshot (meist mit einer einfachen Tastenkombination) und achten dabei darauf, dass Zeit, Datum und Kontaktdaten gut sichtbar sind. Wenn Sie den Screenshot nicht ausdrucken können, speichern Sie diesen unbedingt auf einem USB-Stick, einer Festplatte oder ähnlichem. Notieren Sie, wann was von wem mit welchem Inhalt getan wurde. Unsere Dokumentationsmaske hilft Ihnen, dabei den Überblick zu behalten, Sie finden diese unter diesem Link.
    Die Dokumentation von Übergriffen liefert im Fall einer Anzeige Beweise, um die Gewalt nachzuweisen oder die gewaltausübende Person auszuforschen!
Zur Terminvereinbarung für psychosoziale und rechtliche Beratung erreichen Sie uns unter 01/512 38 39.

Wenn Sie außerhalb unserer Öffnungszeiten sofortige Hilfe benötigen, können Sie sich Tag und Nacht an den Frauenhaus-Notruf Wien 05 77 22 wenden.

Weitere Links zur digitalen Sicherheit: